Konsumiert wird, was wirkt, noch lieber, was nicht nachweisbar ist

Veröffentlicht am 28.04.2015 | Jürgen Vogl | 135 Aufrufe

Kategorien: Aktivitäten, Unsere Schule

Konsumiert wird, was wirkt, noch lieber, was nicht nachweisbar ist
SchiLF zum Thema „Sucht bei Jugendlichen“      

Wie können Lehrer bei Verdacht auf Drogenkonsum eines Schülers reagieren? Woran erkennt man den Konsum? Welche Hilfen kann man Betroffenen anbieten?

Diese und weitere Fragen beantwortete Dr. Roland Ebner von der Klinik für Kinder- u. Jugendpsychiatrie an der Institutsambulanz und Tagesklinik im Klinikum Deggendorf interessierten Lehrerinnen und Lehrern der BSI in Deggendorf. Im Rahmen des Qualitätsziels „Gesunde Schule“ befasst sich die Schulgemeinschaft aktuell sehr intensiv mit dem Thema Schüler- und Lehrergesundheit.

Aus diesem Anlass hatte die Schulpsychologin StDin Waltraud Brindl den Referenten eingeladen, der dieses komplexe Thema sehr kurzweilig und praxisnah vermittelte. Weil die „Jugend im Selbstversuch forsche“ und eifrig auf der Suche nach derzeit noch legalen Rauschmitteln sei, kämen laufend neue Substanzen, Kräutermischungen und Research Chemicals auf den Markt. Teilweise sind sie nicht nachweisbar, allerdings aber in ihrer Wirkung völlig unkalkulierbar und daher wesentlich gefährlicher als die „altbekannten“ Drogen. So könne der Konsum schädlicher Substanzen zu Konzentrationsproblemen, Stimmungsschwankungen, Kreislaufproblemen, Angstzuständen, Psychosen oder sogar zu einer dauerhaften Schädigung des Gehirns führen. Zu den „Risiko-Kids“ zählen nach Aussage des Referenten Jugendliche, die gerne den letzten Kick suchen, wenig Ressourcen zur Verfügung haben, ihre Affekte schlecht regulieren können und selbstdestruktiv handeln. Daher seien Mahnungen auch kontraproduktiv. Besonders gefährdet sind übrigens jugendliche Raucher.

Ebner ermutigte die anwesenden Lehrer dazu, ihrem eigenen Gefühl und ihrer fachlichen Kompetenz zu vertrauen. Wichtig sei es dabei, die Schüler aufmerksam zu beobachten, seine eigenen Sorgen zu formulieren und eine Beziehung herzustellen. Man müsse nicht immer gleich eine Lösung parat haben, aber gegenseitige Hilfe, Vernetzung in Arbeitsgruppen, Krisenteams und ein funktionierender Notfallplan seien sehr hilfreich. Zudem bot er Unterstützung durch die Institutsambulanz in Deggendorf und, für volljährige Schüler, durch das Bezirksklinikum Mainkofen an. 

Die mitreißende Vortragsweise des Referenten führte zu zahlreichen weiteren Fragen und Diskussionsbeiträgen der Kollegen. Offensichtlich ist die Bereitschaft der Lehrer, sich aktiv der Sucht-Problematik zu stellen und bei verdächtigem Verhalten tätig zu werden, sehr hoch. Dabei ist es natürlich möglich, aber laut Ebner auch erlaubt, Fehler zu machen. Aber wesentlich schlimmer sei es, einfach wegzuschauen und den Kontakt zu einem möglicherweise Betroffenen abzubrechen.

Waltraud Brindl

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